Anlässlich seines Deutschlandbesuches machte Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei, einen bemerkenswerten Vorschlag zur Integration türkischer Einwanderer in Deutschland: Man solle erwägen türkische Schulen und Universitäten zu errichten an denen auf Türkisch gelehrt wird; die Türkei würde zu diesem Zwecke Lehrer ausbilden und entsenden. Er begründete seinen Vorschlag damit dass man leichter eine zweite Sprache lerne, wenn man seine Muttersprache gut beherrschte.Ein interessanter Gesichtspunkt, doch Herr Erdogan vergisst dabei wohl dass türkische Kinder in ihrem Elternhaus bereits die türkische Sprache erlernen, und zu diesem Zwecke nicht noch türkischsprachige Schulen und Universitäten besuchen müssen. Es erschiene mir als integrativer wenn türkische Kinder in ihrer Ausbildung die deutsche Sprache erlernten - das würde es ihnen erleichtern, später in der deutschen Arbeits- und Wissenschaftslandschaft einen adäquaten Platz zu finden.
Man muss leider sagen, dass sich in der türkischen Außenpolitik gegenüber Deutschland regelmäßig eine gewisse Schizophrenie breit macht. Es wird gefordert, dass Muslime in Deutschland anerkannt werden und Moscheebaumaßnahmen leichter durchgeführt werden können. Gleichzeitig sind Christen in der Türkei praktisch entrechtet und das Errichten einer Kirche ist gänzlich unmöglich. Der Vorschlag, nun das türkische Bildungssystem auf Deutschland auszudehnen ist ein weiteres Glied in einer Kette von Versuchen einen dauerhaften türkischen Einfluss in Deutschland zu etablieren, mit dem Ziel eine Assimilation und damit den "Verlust türkischer Identität" zu verhindern.
(Foto: Reuters)
1 Kommentar:
Erdogan als "Deutschlands neuer Integrationsminister"(taz) hat vielleicht die Integration im Blick, forciert mit seinen Vorschlägen aber damit eher die Parallelgesellschaft in Deutschland. Ob türkische Einwanderer eher Deutsch lernen, wenn sie fehlerfreies Türkisch sprechen, ist noch lange nicht gesichert.
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