Mittwoch, 20. Februar 2008

Mama, ich will aber!

Sich in amerikanischen Polit-Foren rumzutreiben bringt einen immer wieder zum Schmunzeln. "Ich wollte weder Clinton noch Obama, Edwards war viel besser. Nun werde ich für McCain stimmen." oder "Ich war 40 Jahre lang treuer Demokrat. Aber ich werde die Zukunft unseres Landes nicht von 18 Jährigen entscheiden lassen, die noch nicht trocken hinter den Ohren sind! Meine Stimme bekommt McCain." Es ist, als bekämen die treuen Clinton-Anhänger ihren Hillary-Lolly weggenommen und würden sich nun trotzig auf dem Boden rollen.
Aufregung gab es auch darüber, dass Clinton nun zum dritten Mal in Folge in ihrer Rede nach der jeweiligen Vorwahl weder ein Wort der Anerkennung für den Sieger Barack Obama fand - noch für ihre eigenen Wähler. "Menschen, die an Vorwahlen teilnehmen, repräsentieren nicht die Gesamtbevölkerung." so Clintons kühle Begründung, warum sie ihre Wähler keines Wortes würdigte. Clinton-Anhänger entgegnen: Es sei eine Unverfrorenheit von CNN gewesen, mitten in Hillarys Rede zu Barack Obama überzublenden. Was dabei übersehen wird: Barack Obama hat pünktlich wie im Zeitplan vorgesehen seine Rede vor 20,000 wartenden Unterstützern begonnen, während Clinton ihre Rede absichtlich um 30 Minuten verzögerte mit der Absicht, so der Übertragung von Obamas Rede entgegenzuwirken. Clinton hörten ganze 200, mehr oder weniger interessiert wirkende, Anhänger zu.

Diese Aktion ist meiner Meinung nach typisch für Hillary Clintons Charakter. Kühl und kalkuliert versucht sie alles, um an die Macht zu gelangen - und umgarnt die Staaten Texas und Ohio, die reich an Delegiertenstimmen ist, während "kleinere" Staaten für Clinton ohne Bedeutung sind. Da sie Obama weder rhetorisch noch inhaltlich etwas entgegenzusetzen hat, versucht sie nun auf ziemlich schmierige Art und Weise ihm dazwischenzufunken. In ihren Reden erwähnt sie ihn nicht einmal mit Namen, doch werden ihre Ansprachen von ihm dominiert. Ihr einziges Thema scheint zu sein "Taten statt Worte", damit versucht sie Obama vorzuwerfen hinter seiner Rhetorik stecke nichts als heiße Luft. Gewagt, wenn man bedenkt dass Barack Obama 10 Jahre lang als Streetworker in Chicago tätig war, während sich Hillarys berufliche Laufbahn auf eine Aufsichtsratsposition bei Wal-Mart, einer Zeit als First Lady und ihren jüngsten Senatserfahrungen beschränkt.
In diesem Sinne: Mama, ich will meinen Lolly zurück!

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