Mit etwas peinlicher Verspätung die Stimme aus Berlin zu den Präsidentschaftsvorwahlen in den Vereinigten Staaten:
4. Januar, 3:13 am Morgen MEZ: Die ersten Ergebnisse des Iowa Caucuses flimmern über meinen Fernseher. Barack Obama: 25%; John Edwards: 45%. Moment einmal... hatten uns nicht die Demoskopen einen klaren Sieg von Hillary Clinton vorausgesagt und sollten nun Lügen gestraft werden?
4. Januar, 4:01 am Morgen MEZ: Die Auszählung nähert sich dem Ende. Barack Obama führt mit 38%. Im Lichte dieser erfreulichen Zahlen verabschiede ich mich ins Bett.
Diese Zahlen bedürfen eigentlich keiner großen Kommentierung. Sie zeigen schlichtweg dass Meinungsumfragen in unserer schnellebigen Zeit oft nicht einmal das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind und dass entgegen landläufiger Klischees der gemeine US-Bürger nicht demjenigen seine Stimme schenkt, der die dickste Wahlkampffinanzierung aufbieten kann.
8. Januar, New Hampshire: Das gleiche Bild, nur in Grün. Die Meinungsumfragen zeigen Barack Obama als klaren Gewinner; am Ende kann sich Hillary Clinton mit 39% zu 37% durchsetzen.
15. Januar, Michigan: Eine Prognose? Ziemlich gewagt, angesichts der Unberechenbarkeit die bisher den Ton angab. Dennoch deuten meiner Meinung nach einige grundlegende Faktoren einen Vorteil Barack Obamas an.
Erstens, im Gegensatz zu Iowa und New Hampshire ist Michigan kein reinweißes Submillieu, sondern ein ziemlich authentischer Schnitt durch die gesamte amerikanische Gesellschaft. Eine Chance, auch Afro-Amerikaner als Wähler zu gewinnen.
Zweitens, Michigan ist sozioökonomisch ein Zwilling von Illinois, Obamas Heimatstaat. Am Rande des alten Industriegürtels gelegen ist der Staat geplagt von Armut, Zerfall und Perspektivlosigkeit. Obamas Losung "Change" könnte hier mehr Anklang als Clintons "Status Quo" finden.
Ich halte es hier wie Obama sein letztes Buch tituliert hat: "Mut zur Hoffnung".
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2 Kommentare:
Endlich mal eine Einschätzung zu den U.S.-Wahlen! Ich hoffe auch auf Obama, bis jetzt der vertrauenswürdigste Kandidat von allen.
ich bin ja für die clinton...
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